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Kategorie:Buddhismus in Tibet

Aus wiki_dagpo

Buddhistische Traditionen in Tibet

Traditionelle Bedingungen

"Bevor wir über die Ähnlichkeiten und Unterschiede der fünf tibetischen Traditionen sprechen, müssen wir uns daran erinnern, dass keines der tibetischen Systeme eine organisierte „Kirche“ bildet wie etwa die katholische Kirche. Keines von ihnen ist so zentral organisiert. Die Oberhäupter der Traditionen, die Äbte usw. sind im Wesentlichen verantwortlich für die klösterliche Ordination, dafür, die mündlichen Übertragungslinien fortzusetzen und tantrische Initiationen zu geben. Sie sind also nicht hauptsächlich mit Verwaltungsaufgaben befasst. Hierarchie betrifft vornehmlich die Sitzordnung bei den großen rituellen Zeremonien (Pujas), auf wie vielen Kissen jemand sitzt, wer in welcher Reihenfolge den Tee serviert bekommt usw. Aus verschiednen geografischen und kulturellen Gründen haben die Tibeter einen Hang zu extremer Unabhängigkeit und jedes Kloster neigt dazu, seinen eigenen Weg zu gehen. Die Abgelegenheit der Klöster, die riesigen Entfernungen zwischen ihnen und die schwierigen Reise- und Kommunikationsbedingungen haben die Tendenz in Richtung Dezentralisierung verstärkt."(Studybuddhism)

Etablierte Haupt-Traditionen

Die etablierten buddhistischen Haupt-Traditionen Tibets sind

  • Bön
  • Nyingma
  • Sakya
  • Kagyu
  • Gelug

"Die fünf tibetischen Traditionen haben viel Gemeinsames, vielleicht bis zu achtzig Prozent oder mehr. Ihre jeweilige Geschichte zeigt deutlich, dass die Übertragungslinien nicht als getrennte, innerhalb konkreter Grenzen isolierte, monolithische Blöcke ohne Berührungspunkte existieren. Die fünf Traditionen haben sich vielmehr dadurch herauskristallisiert, dass die sie begründenden Meister in sich verschiedene Übertragungslinien, meist indischen Ursprungs, gebündelt haben. Gewohnheitsmäßig haben die jeweiligen Anhänger diese Synthesen als „eine Übertragungslinie“ bezeichnet, aber mehrere der einzelnen Übertragungslinien sind ebenso Bestandteil der Übertragungslinien-Mischung anderer Traditionen." (Studybuddhism)

Klostertraditionen

"Die vier buddhistischen Schulen haben ein gemeinsames System monastischer Gelübde (Mulasarvastivada), das aus Indien stammt. Bön hat ein leicht abweichendes System, aber die meisten Gelübde sind die gleichen wie bei den buddhistischen Schulen. Ein hervorstechender Unterschied ist, dass Bönpo-Mönche geloben Vegetarier zu sein. In allen Traditionen rasieren die Mönche ihre Köpfe, leben im Zölibat und tragen das gleiche ärmellose, braune Gewand mit Rock und Schal. Die Bön-Mönche tragen lediglich Blau statt Gelb im Mittelteil ihrer Robe.

Sutra-Studien

Alle tibetischen Traditionen folgen einem Pfad, der Sutra- und Tantra-Studien mit Ritual- und Meditationspraxis verbindet. Die Mönche lernen schon als Kinder ungeheuer viele gelehrte und rituelle Texte auswendig und studieren mit der Methode der Debatte. Die Sutra-Studieninhalte sind die gleichen bei den Buddhisten und den Bönpos. Zu ihnen gehören das Prajnaparamita (Weitreichende Unterscheidung, Vollendung der Weisheit), das von den Stufen des Pfades handelt, Madhyamaka (Mittlerer Weg), das von der richtigen Sicht der Realität (Leerheit) handelt, Pramana (Gültige Wege der Erkenntnis), das Erkenntnistheorie und Logik beinhaltet und Abhidharma (Besondere Bereiche des Wissens), das sich mit Metaphysik befasst. Die tibetischen Textbücher für jedes Studienfach weichen in ihren Interpretationen nicht nur zwischen den fünf Traditionen leicht voneinander ab, sondern auch zwischen den Klöstern innerhalb jeder Tradition. Solche Unterschiede sorgen immer wieder für interessante Debatten. Als Abschluss eines in seiner ganzen Länge durchlaufenen Studiums verleihen alle fünf Traditionen einen akademischen Grad, entweder Geshe oder Khenpo.

Alle vier buddhistischen Schulen Tibets studieren die vier traditionellen philosophischen Richtungen Indiens, nämlich Vaibhashika, Sautrantika, Chittamatra und Madhyamaka. Obwohl sie sie leicht unterschiedlich erklären, akzeptieren alle Schulen Madhyamaka als die Richtung, die den differenziertesten und genauesten Standpunkt vertritt. Alle vier Schulen studieren die gleichen klassischen indischen Texte von Maitreya, Asanga, Nagarjuna, Chandrakirti, Shantideva usw. Auch hier hat jede Schule ihr eigenes Spektrum tibetischer Kommentare, die alle leicht voneinander abweichen.[...]

Ritual

Die rituelle Praxis ist sehr ähnlich in allen fünf Schulen. Alle bringen Wasserschalen, Butterlampen und Räucherwerk dar. Alle sitzen in der gleichen Weise mit gekreuzten Beinen, benutzen Vajras, Glocken und Damaru-Handtrommeln, spielen die gleichen Hörnern, Zimbeln und Trommeln, singen mit lauten Stimmen, opfern und kosten geweihtes Fleisch und geweihten Alkohol während besonderer Zeremonien (Tsog) und schenken Buttertee aus während aller rituellen Versammlungen. Den ursprünglichen Bön-Gebräuchen folgend, bringen sie alle Tormas dar (Kegel, die aus mit Butter gemischtem Gerstenmehl geformt werden). Alle rufen lokale Geister an als Beschützer, vertreiben schädliche Geister mit komplexen Ritualen, kneten Butterskulpturen zu besonderen Anlässen und hängen farbenprächtige Gebetsfahnen auf. Alle bewahren Reliquien großer Meister in Stupas auf und umrunden diese, die Buddhisten im Uhrzeigersinn, die Bönpos andersherum. Sogar die Stile ihrer religiösen Kunst ähneln sich sehr stark. Die Proportionen der Figuren bei Gemälden und Statuen folgen immer den gleichen Richtlinien." (Studybuddhism)

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