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Anatman: Unterschied zwischen den Versionen

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Irgendwann realisiert ein den Dharma Übender, dass seine innere Welt von abstrakten Diskussionen angefüllt und die äußere Welt von Konflikt und Kampf belastet bleibt, solange das „Ich“ die treibende Kraft hinter Gedanken und Emotionen ist. Wir beginnen zudem zu verstehen, dass die Ursache unseres Leidens nicht in dem liegt, was wir tun, sondern in der Weise, wie wir wahrnehmen, und solange wir mit diesem Hindernis nicht fertig werden, wird alles, was wir mit Körper, Rede und [[Geist]] tun, unweigerlich unsere alten Wahrnehmungen von Ich und anderen, Problem und Lösung, Einschränkung und Freiheit verstärken.
Irgendwann realisiert ein den Dharma Übender, dass seine innere Welt von abstrakten Diskussionen angefüllt und die äußere Welt von Konflikt und Kampf belastet bleibt, solange das „Ich“ die treibende Kraft hinter Gedanken und Emotionen ist. Wir beginnen zudem zu verstehen, dass die Ursache unseres Leidens nicht in dem liegt, was wir tun, sondern in der Weise, wie wir wahrnehmen, und solange wir mit diesem Hindernis nicht fertig werden, wird alles, was wir mit Körper, Rede und [[Geist]] tun, unweigerlich unsere alten Wahrnehmungen von Ich und anderen, Problem und Lösung, Einschränkung und Freiheit verstärken.


Spirituelle Praxis heißt, der vermeintlichen Realität des „Ich“ zu entfliehen, indem man begreift, was das „Ich“ ist, und seinen ständigen Fixierungen Energie entzieht. Der Buddha stellte die Verwirklichung und Integration von Anattâ in den Mittelpunkt seiner Lehren. Wir besitzen keine getrennte Existenz; das ist eine Tatsache. Wenn wir all unsere Praktiken und Bemühungen auf diese Tatsache hin ausrichten, wird der spirituelle Weg recht einfach und transformiert alles, was wir tun. All die Klöster, Entsagungen, Beschränkungen, geschickten Mittel, Lotos-Sitzhaltungen und alles Richten der Aufmerksamkeit auf die Nasenspitze haben nur diesen einen Zweck. Ein wesentlicher Punkt wird sich in immer neuen Ausdrucksformen durch das ganz Buch ziehen, und der ist, dass wir sehr aufpassen müssen, die Annahme der Getrenntheit nicht in unsere Praktiken hineinzutragen, die den ausdrücklichen Zweck haben, die Selbsttäuschung hinter sich zu lassen. Tun wir das, werden wir die Konditionierung durch unser Ego nur noch verstärken und uns von der Freiheit Buddhas entfernen." ([[Smith 2011]])
Spirituelle Praxis heißt, der vermeintlichen Realität des „Ich“ zu entfliehen, indem man begreift, was das „Ich“ ist, und seinen ständigen Fixierungen Energie entzieht. Der Buddha stellte die Verwirklichung und Integration von Anattâ in den Mittelpunkt seiner Lehren. Wir besitzen keine getrennte Existenz; das ist eine Tatsache. Wenn wir all unsere Praktiken und Bemühungen auf diese Tatsache hin ausrichten, wird der spirituelle Weg recht einfach und transformiert alles, was wir tun. All die Klöster, Entsagungen, Beschränkungen, geschickten Mittel, Lotos-Sitzhaltungen und alles Richten der Aufmerksamkeit auf die Nasenspitze haben nur diesen einen Zweck. Ein wesentlicher Punkt wird sich in immer neuen Ausdrucksformen durch das ganz Buch ziehen, und der ist, dass wir sehr aufpassen müssen, die Annahme der Getrenntheit nicht in unsere Praktiken hineinzutragen, die den ausdrücklichen Zweck haben, die Selbsttäuschung hinter sich zu lassen. Tun wir das, werden wir die Konditionierung durch unser Ego nur noch verstärken und uns von der Freiheit Buddhas entfernen. [...]
 
Es geht nicht darum, Anattâ intellektuell zu lernen; Anattâ muss realisiert, verdaut und vollkommen in jede Facette unseres Lebens integriert werden. Die spirituelle Reise ist nur sinnvoll, wenn wir sie von Anattâ her angehen; kommen wir aus irgendeiner anderen Richtung, dann wird die Ichempfindung durch ihre Leistungen nur noch verstärkt und unser Streben nach Freiheit wird letztlich frustriert. Haben wir unsere Praxis jedoch erst einmal mit Anattâ in Einklang gebracht, dann fließt all unsere Energie in die Richtigstellung unserer falschen Wahrnehmungen und der Pfad entfaltet sich auf geradlinige Weise.
" ([[Smith 2011]])


[[Kategorie:Definitionen]]
[[Kategorie:Definitionen]]

Aktuelle Version vom 19. April 2026, 06:39 Uhr

"Das Konzept des Anattâ (skrt. anâtman), welches besagt, dass es kein dauerhaft bleibendes Ich beziehungsweise keine unsterbliche Seele gibt, bildet das Herzstück der buddhistischen Lehre, doch da wir im Westen die psychische Gesundheit dermaßen betonen, ist es vielleicht unvermeidlich, dass dieser wesentliche Aspekt der Lehre entweder heruntergespielt oder gar ausgespart wird. Leere steht schließlich im Gegensatz zu vielen unserer wichtigsten Werte, wie etwa der Eigenständigkeit, der individuellen Initiative sowie dem Streben nach Vergnügen. Wir wünschen uns die Zufriedenheit und das Glück, die der Buddha uns versprochen hat, aber mit einem vollkommen stabilen und intakten „Ich“.

Diese selektive Herangehensweise an den Buddhismus scheint es möglich zu machen, uns das Beste aus der östlichen und der westlichen Welt herauszupicken. Wir können die Techniken und Praktiken verwenden, die unseren unmittelbaren Zwecken dienen, ohne die spirituellen Fragen stellen zu müssen, die unsere Existenz betreffen. Das Tolle daran ist, dass die Methoden funktionieren und die größere Achtsamkeit intensive und wohltuende Auswirkungen sowohl auf unsere geistige Gesundheit wie auch auf unser alltägliches Wohlbefinden hat.

Die Geschichte fände hier ein glückliches Ende, wenn es nicht einen Haken dabei gäbe, den Dharma (die Lehren Buddhas) derart zurechtzustutzen. Im Äußeren sehen wir, wie die Umwelt der Erde vor unseren Augen kaputtgeht, wie die Bevölkerungszahl emporschnellt und wie unsere natürlichen Ressourcen abnehmen. Wir sehen, wie beispiellose Gier und Aggression auf einem ständig schrumpfenden Planeten zu immer größeren Spaltungen führen. Zu einer Zeit, in der die Welt nach Freundlichkeit und Mitgefühl hungert, sehen wir, wie Kulturen ihr altes Gezänk fortsetzen und dabei ihr gemeinsames Erbe vergessen.

Innerlich bestehen unsere Probleme ebenfalls weiter. Wir leiden und verstehen nicht, woran. Angst, Begehren und Kummer erfüllen unser Leben. Unsere ausgefeilten psychologischen Methoden sollten unsere Probleme eigentlich lösen, aber all die Therapien und Selbsthilfemethoden scheinen unsere Isoliertheit und Getrenntheit nicht mindern zu können. Wir würden gern Mitgefühl für alle Wesen empfinden, aber unsere eigenen Probleme nehmen uns so sehr in Beschlag, dass wir wenig Zeit haben, andere in unser Herz mit aufzunehmen. Wir versuchen diese Mängel durch mehr sozial engagierte Aktivitäten zu kompensieren, stellen jedoch fest, dass unsere Motivation oft auf Rechthaberei beruht, welche die Welt weiter aufspaltet.

Durch all unsere Techniken und Behandlungsmethoden hindurch bleibt die Ichempfindung der Eckpfeiler unserer Existenz. Wenn wir unsere Erfahrung betrachten, scheinen wir der Mittelpunkt des Universums zu sein. Alle Erfahrungen scheinen unseren zentralen Platz im Leben zu bestätigen und jede Wahrnehmung wird durch die Brille des Ich betrachtet. Wir hören von der verderblichen Macht des Ego, scheinen jedoch unfähig zu sein, diese allgegenwärtige Ichempfindung abzuschütteln. Die Autorität des Ich scheint absolut zu sein und die meisten von uns beugen sich letztlich seiner Herrschaft. So üben wir denn den Dharma, indem wir die Ichempfindung im Herzen unserer spirituellen Entwicklung mit uns tragen.

Viele von uns verbinden mit ihrer Praxis ein freundlicheres und sanfteres spirituelles „Ich“, das im Gegensatz zu dem weltlichen „Ich“ steht, dem uns Probleme bereitenden Zwilling, der einer Therapie bedarf. Wir spielen dann das vertraute Spiel von „Teile und herrsche“ und nehmen mit unseren spirituellen Idealen den Kampf gegen unsere weltlichen Reaktionen auf. Doch dem Ego nur verschiedene Namen zu geben, so erkennen wir schließlich, führt lediglich dazu, seine umfassende Kontrolle noch zu verstärken, was unausweichlich zu größerem Leiden und größerer Feindseligkeit führt.

Einige von uns folgen dem Weg der Weisheit und es gelingt ihnen, den Einfluss des Ego zu schwächen, sodass sie einzigartige Einsichten in die Substanzlosigkeit des Ego erfahren, aber sie können aus diesen Offenbarungen zurückkehren, ohne dass Macht und Stärke ihres „Ich“ wesentlich vermindert wurden. Das Ego bringt es fertig, auf seinen eigenen Untergang Bezug zu nehmen, indem es sagt: „Oh, ich habe gerade eine Erfahrung meiner eigenen Leere gemacht.“ Ganz gleich, was wir tun, ganz gleich, wie viele Einsichten in unsere wahre Natur wir gewinnen, wir scheinen die Welt noch immer um die Grundprämisse herum zu organisieren, die da lautet: „Ich“ bin hier drinnen und sehe nach draußen auf alles Übrige.

Irgendwann realisiert ein den Dharma Übender, dass seine innere Welt von abstrakten Diskussionen angefüllt und die äußere Welt von Konflikt und Kampf belastet bleibt, solange das „Ich“ die treibende Kraft hinter Gedanken und Emotionen ist. Wir beginnen zudem zu verstehen, dass die Ursache unseres Leidens nicht in dem liegt, was wir tun, sondern in der Weise, wie wir wahrnehmen, und solange wir mit diesem Hindernis nicht fertig werden, wird alles, was wir mit Körper, Rede und Geist tun, unweigerlich unsere alten Wahrnehmungen von Ich und anderen, Problem und Lösung, Einschränkung und Freiheit verstärken.

Spirituelle Praxis heißt, der vermeintlichen Realität des „Ich“ zu entfliehen, indem man begreift, was das „Ich“ ist, und seinen ständigen Fixierungen Energie entzieht. Der Buddha stellte die Verwirklichung und Integration von Anattâ in den Mittelpunkt seiner Lehren. Wir besitzen keine getrennte Existenz; das ist eine Tatsache. Wenn wir all unsere Praktiken und Bemühungen auf diese Tatsache hin ausrichten, wird der spirituelle Weg recht einfach und transformiert alles, was wir tun. All die Klöster, Entsagungen, Beschränkungen, geschickten Mittel, Lotos-Sitzhaltungen und alles Richten der Aufmerksamkeit auf die Nasenspitze haben nur diesen einen Zweck. Ein wesentlicher Punkt wird sich in immer neuen Ausdrucksformen durch das ganz Buch ziehen, und der ist, dass wir sehr aufpassen müssen, die Annahme der Getrenntheit nicht in unsere Praktiken hineinzutragen, die den ausdrücklichen Zweck haben, die Selbsttäuschung hinter sich zu lassen. Tun wir das, werden wir die Konditionierung durch unser Ego nur noch verstärken und uns von der Freiheit Buddhas entfernen. [...]

Es geht nicht darum, Anattâ intellektuell zu lernen; Anattâ muss realisiert, verdaut und vollkommen in jede Facette unseres Lebens integriert werden. Die spirituelle Reise ist nur sinnvoll, wenn wir sie von Anattâ her angehen; kommen wir aus irgendeiner anderen Richtung, dann wird die Ichempfindung durch ihre Leistungen nur noch verstärkt und unser Streben nach Freiheit wird letztlich frustriert. Haben wir unsere Praxis jedoch erst einmal mit Anattâ in Einklang gebracht, dann fließt all unsere Energie in die Richtigstellung unserer falschen Wahrnehmungen und der Pfad entfaltet sich auf geradlinige Weise. " (Smith 2011)