Manas
manas (Skt.). Der Intellekt oder denkende Geist. Im frühen Buddhismus und im heutigen Theravada wird Manas praktisch als gleichbedeutend mit citta und vijnana angesehen, obwohl es zu den zwölf ayatanas (Sinnessphären) und achtzehn dhatus (Bereichen) gezählt wurde.
In späteren Schulen des Buddhismus wird es jedoch von diesen beiden unterschieden. Er wurde als derjenige Aspekt des Geistes verstanden, der Wahrnehmungsformen, die aus den sechs Arten des Gewahrseins (Sehen, Hören, Schmecken, Riechen, Berühren und geistiges Gewahrsein) abgeleitet sind, zu begrifflichen Bildern synthetisiert.
Im Yogacara Buddhismus wird es als siebtes der acht Bewusstseine (vijnana) gezählt. Es nimmt das ihm zugrundeliegende alaya-vijnana (Speicherbewusstsein) wahr, nimmt dieses aber fälschlicherweise als persönliches Selbst (atman) wahr und ist daher der Ort dieses grundlegenden Irrtums.
(Keown 2003, übersetzt, gekürzt)
"Im buddhistischen Kontext steht der englische Begriff „mind“ für das, was im Sanskrit manas genannt wird, das ist der „denkende Geist“, der im weitesten Sinne alle geistigen (mentalen) Fähigkeiten und Aktivitäten, die intellektuelle Funktion des Bewusstseins, umfasst. Mind/manas bedeutet jedoch mehr als „Intellekt“ oder „Verstand“, wie diese Begriffe im deutschen Sprachgebrauch gewöhnlich verstanden werden. „Bewusstsein“ wäre vielleicht eine treffendere Übersetzung – wenn Bewusstsein (skrt. vijñâna) im Buddhismus nicht eine umfassendere Bedeutung hätte und manas nicht nur eine von sechs Arten des Bewusstseins wäre. Mind/manas gilt hier als der sechste „Sinn“ neben den im Westen definierten „fünf Sinnen“ – ein Sinn, der „geistige Objekte“ auffasst, so wie unsere „fünf Sinne“ die Objekte von Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten auffassen. Manas gilt dabei als die Basis für alle geistigen Tätigkeiten und hat die Funktion der Kontrolle über die ersten fünf Sinne. Das englische mind ließe sich, je nach Kontext, als Geist, Verstand, Intellekt, Denken, Sinn, Gemüt, Bewusstsein übersetzen, was jedoch verschleiern würde, dass damit in diesem Buch meistens (wenn auch nicht immer) nur ein Ding, nämlich manas, gemeint ist. In Ermangelung eines deutschen Begriffes für manas und als größter gemeinsamer Nenner für die genannten Bedeutungsnuancen wurde deshalb der deutsche Begriff „Geist“ gewählt, der, wie der Leser in Erinnerung behalten sollte, im oben definierten Sinne für die Gesamtheit der geistigen (mentalen) Fähigkeiten und Aktivitäten steht." Stephan Schuhmacher in Smith 2011