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Edler achtfacher Pfad

Aus wiki_dagpo

Der edle achtfache Pfad ist ein zentrales Element der Buddhistischen Lehre. „Die wichtigste Überlieferung für den edlen achtfachen Pfad ist die 22. Lehrrede Buddhas im Digha-Nikaya des Pali-Kanon, dem Mahāsatipatthāna-Sutta von den Grundlagen der Achtsamkeit (D 22).“ (Wikipedia)

Die acht Elemente des Pfades sind

  1. rechte Sicht(weise), rechte Ansicht
  2. rechte Absicht, rechte Motivation
  3. rechte Rede
  4. rechtes Handeln
  5. rechter Lebenserwerb
  6. rechte Bemühung
  7. rechte Achtsamkeit
  8. rechte Sammlung

Acht Zweige

In seinem Text „Die Mitte von den Extremen unterscheiden“ (Madhyantavibhanga) teilt Maitreya den edlen achtfachen Pfad in vier Bereiche (vgl.Berzin in Study Buddhism):

Der Zweig, der gründlich abtrennt

Dies betrifft das Element rechte Sicht, rechte Ansicht oder rechte Einsicht oder Anschauung. Hier geht es um die hilfreiche Einsicht, was man als heilsam bzw als störend oder hemmend erkennt. Der Sanskrit-Ausdruck samyagdṛṣṭi meint zunächst die Einsicht, dass die Lehre des Buddha vertrauenswürdig und heilsam sei. Der Wert und Umfang dieses Ausdrucks wächst mit der eigenen Erkenntnisfähigkeit - von einem kognitiven Annehmen hin zu einer intuitiven und existenziellen Einsicht. Wie lässt sich diese Einsicht aus Mahamudra-Sicht beschreiben?

"Und was, Freunde, ist rechte Ansicht? Wir nennen das die Sicht, die Anschauung. Was ist das Seinsverständnis, das wirklich förderlich ist? – Direktes Wissen, und dieses Pali Wort ñāṇa ist dasselbe wie das Sanskritwort jñāna, was in manchen Kontexten im Tibetischen als rigpa oder yeshe übersetzt wird, im Deutschen manchmal Gewahrsein, Bewusstheit heißt und manchmal zeitloses Gewahrsein. Hier ist es in der Bedeutung von dem Wissen, das tatsächlich befreiend ist. Direktes Wissen – direkte Seinserkenntnis – (ñāṇa) vom Leiden, direktes Wissen von der Entstehung des Leidens, direktes Wissen von der Auflösung des Leidens und direktes Wissen von dem Weg, der zur Auflösung des Leidens führt, das, Freunde, wird rechte Ansicht genannt. Dieses Verständnis ist zuerst ein intellektuelles Verständnisiehe Wir beginnen mit einer Sicht, mit einem Verständnis von den vier Edlen Wahrheiten, was Leid ist, wodurch es kommt, dass es aufgelöst werden kann und wie der Weg dahin ist. Wir beginnen mit einem grundlegenden intellektuellen Verständnisiehe Wir kontemplieren das. Das ist der zweite Schritt aus dem Intellekt in die Kontemplation. Wir bringen es mit unserer Erfahrung in Abgleich und gehen damit in die Meditation. Wir werden sehen, dass sich dieses intellektuelle Verständnis immer mehr wandelt und zu einem Erfahrungsverständnis wird. Und dann wird dieses Verständnis zu einer Realisation, zu einer Verwirklichung. Wir verkörpern dieses Verständnis, wir brauchen gar nicht mehr nachzudenken. Es hat uns ganz durchwirkt. Wir sind aufgegangen, nicht in einem äußeren Verständnis, sondern das Sehen, um das es da eigentlich geht, hat in uns stattgefunden. Diese intuitive Einsicht ist gewachsen, wir sind in dieser Einsicht, dieser Sicht des Erwachens angekommen. [...]

Das Pali-Wort, diṭṭhi für Sicht, (sama-diṭṭhi für rechte Sicht), zählt der Buddha auf unter den Wurzel-Kleśas, den grundlegenden, primär beeinträchtigen Emotionen. In diesem Zusammenhang bedeutet es so viel wie Meinung oder Standpunkt. Ein echtes Erwachen beinhaltet, jenseits aller Standpunkte und Meinungen zu gehen, und jegliche Sicht hinter sich zu lassen. Unter „Sicht“ wird hier verstanden „meine Ansicht“, „meine Anschauung“, „mein Standpunkt“, „meine Meinung“. Schon der Buddha hat erklärt, dass es darum geht, jenseits aller Worte zu gehen. Es geht darum, in eine Seins-Erkenntnis zu gelangen, die nicht mehr von Begriffen abhängig ist, und die auch mit allen Begriffen leben kann. [...]

Jegliche Positionierung, jegliche Form der Kontrolle, alle Bedürfnisse, etwas über die Erfahrung auszusagen, das Erwachen zu definieren, all das muss letztendlich aufgegeben werden. Das bedeutet für uns, dass wir völlig wach, voller Vertrauen ganz im Ungewissen, im Nicht-Fassbaren aufgehen.Dieses Ungewisse, Nicht-Fassbare wird uns vertraut, und es gibt keinerlei Regung mehr, es fassen zu wollen. Diese Qualität des Nicht-Fassbaren ist die Qualität des Lebendigen. Diese unbeschreibbare, nicht in Begriffe zu prägende Dynamik des Seins ist genau das, was mit „So-Sein“ beschrieben wird. Das ist mit „Sicht und jenseits von Sicht gehen“ gemeint. Die Mahāmudrā-Sicht ist eine Sicht, die jenseits all der normalen Anschauungen in ein Nicht-Sehen führt. [...] Schlussendlich lässt etwas in uns los, bei völliger Klarheit. Frei von allen Schleiern gibt es kein Bedürfnis mehr, sich zu positionieren, weil die Ichbezogenheit wegfällt. Dieses Bedürfnis gibt es dann nicht mehr." (Borghardt 2024:22, 27f)

Der Zweig, der Verständnis hervorbringt

Rechter Gedanke, rechte Gesinnung/Absicht (skr. samyaksaṃkalpa). In einer Beschreibung gemäß dem Pali-Kanon bedeutet dies „den Verzicht auf die weltlichen Dinge und ein annehmlich leidenschaftlicheres Bekenntnis zu dem spirituellen Weg, guter Wille und ein Bekenntnis zu Gewaltlosigkeit bzw. Unbedenklichkeit anderen lebenden Wesen gegenüber“ (Yoga-Wiki)

"Die Absicht (saṅkappa) der Entsagung (nekkhamma), die Absicht des Wohlwollens (abyāpāda) und die Absicht der Friedfertigkeit (avihiṁsā), das wird rechte Absicht genannt. [...]

Wir hören Entsagung und denken, wir dürften kein Vanilleeis mit Erdbeeren mehr bestellen. So denken wir, aber das steht da gar nicht. Wir sollten genauso glücklich sein, ob wir die Erdbeeren kriegen oder nicht. Es geht nicht darum, dass wir uns nicht mehr freuen dürfen, sondern wir entsagen den verstrickenden, den anhaftenden, greifenden Mustern. Der Buddha war kein Spielverderber, er erleichtert das Spiel. Man kann nur dann frei mit den Erscheinungen spielen, wenn man nicht anhaftet. Sonst ist man gefangen in den ichbezogenen Prozessen und Verstrickungen. Entsagung ist also zu unserem eigenen Wohl: raus aus den Verstrickungen, raus aus der Faszination, dem erhoffen und befürchten." (Borghardt 2024:22)

Die drei Zweige, die in anderen Vertrauen erzeugen

Die Qualitäten „Rechte Rede, rechte Grenze des Handelns und rechter Lebenserwerb sind die drei Zweige, die in andere Wesen Vertrauen hervorbringen“ (Berzin in Study Buddhism). Reinheit der Rede (samyagvāc), rechtes Handeln (samyakkarmānta) und rechter Lebenserwerb (samyagājīva) sind andere Ausdrücke dafür, drei Aspekte des Wortes śila (Pali: sīla; T. tshul khrims ཚུལ་ཁྲིམས་). Diese Aspekte werden oftmals mit 'Disziplin' übersetzt, mir erscheint 'Heilsames Verhalten' angemessener.

  1. "Und was ist rechte Rede? Lügen, boshaft zu reden, verletzend zu reden und tratschen – sinnloses Geschwätz – zu vermeiden, das wird rechte Rede genannt. Wenn man die vier unterlässt, bleibt wirklich nicht viel übrig, dann können wir nur noch heilsam reden. [...]
  2. Was ist rechtes Handeln? Töten von Lebewesen; nehmen, was nicht gegeben wurde, und sexuelles Fehlverhalten zu vermeiden, das wird rechtes Handeln genannt. Das sind die drei Formen rechten Handelnsiehe Dem gegenüber stehen die Formen heilsamen Handelns: Leben zu schützen, Kranke zu pflegen, soziale Hilfeleistung zu geben; freigebig zu sein, statt zu stehlen und heilsame sexuelle Beziehungen zu pflegen beziehungsweise überhaupt heilsame Beziehungen zu pflegen. Das alles und noch vieles gehört zum rechten Handeln. [...]
  3. Was ist rechter Lebenserwerb? Nun, wenn ein edler Schüler falschen (laut MN 117: von Trieben nicht freien) – von Trieben besetzten – Lebenserwerb aufgibt, sorgt er für sein Leben durch rechten Lebenserwerb. Das wird rechter Lebenserwerb genannt.Der Buddha drückt das in dieser Passage des Sutta nuanciert ausiehe Er unterscheidet hier gar nicht eine äußere ethische Norm. Es ist nicht so, dass zum Beispiel jemand, der seinen Lebenserwerb damit verdient, Tiere zu schlachten, nicht Zuflucht nehmen könnte und kein Praktizierender werden könnte. Das ist damit gar nicht gemeint. Es geht darum, mich zu entwickeln innerhalb der verschiedenen Arten von Lebenserwerb, die mir offenstehen, immer mehr zum Heilsamen hin. Dabei lasse das, bei dem ich mit Emotionen verstrickt bin, immer mehr sein. Ich konzentriere mich auf das, was mir und anderen hilft, aus dieser Verstrickung, aus diesem Nicht-Heilsamen herauszufinden." (Borghardt 2024:23)

Die drei Zweige, die als Gegenmittel dienen

„Rechte Bemühung, rechte Vergegenwärtigung und rechter vertiefte Konzentration sind die drei Zweige, die als Gegenmittel dienen. Sie entstehen in den Phasen völliger Vertiefung“ (Benzin in Study Buddhism). Rechte Anstrengung (samyagvyāyāma), rechte Achtsamkeit (samyaksm'ṛti) und rechte Versenkung (samyaksamādhi) sind andere Ausdrücke dafür.

Darstellung von Rodney Smith

"Die Lehren Buddhas stellen eine umfassende Matrix für das Erwachen dar. Die Ursachen und Bedingungen für das Unbefriedigtsein haben sich in den etwa 2600 Jahren seit Buddha nicht verändert. Die in Buddhas Achtfachem Pfad enthaltene Medizin lässt sich heute noch genau so anwenden wie damals, als sie zum ersten Mal definiert wurde. [...]

An dieser Stelle ist es hilfreich, den Achtfachen Pfad kurz zu beschreiben. Der Achtfache Pfad soll den ganzen Körper und den gesamten Geist in eine natürliche Beziehung zu allen Dingen bringen. Jeder Schritt auf dem Pfad ist so angelegt, dass man die Täuschungen des Geistes erkennt und die darin enthaltene grundlegende Schönheit offenbart wird. Jeder Schritt stellt ein Hologramm all der anderen Schritte dar und kann nicht unabhängig vom Ganzen bestehen. Die einzelnen Schritte sind so miteinander verknüpft, dass sie sich zu einem integrierten Ganzen zusammenfügen. Es ist wichtig, dies zu verstehen, denn wir versuchen oft, die einzelnen Schritte voneinander zu trennen und sie einzeln anzuwenden. Dabei versucht der Geist wieder einmal, selektiv das, was ihm gefällt, von dem abzulösen, was ihm missfällt, um einen Entwurf für ein geordnetes Leben zu erstellen." (Smith 2011)

Weise Sicht

"Weise (oder rechte) Sicht ist die wahrhaftige und natürliche Weise, die Dinge so zu sehen, wie sie im Grunde sind. Wie bereits am Anfang des Kapitels ausgeführt wurde, besteht eine weise Ausrichtung des Geistes darin, ihn nicht durch innere Konflikte und Zwiste zersplittern zu lassen. Der Geist ist ein ganzheitliches Organ, und die Wahrnehmung einer einheitlichen Wirklichkeit hängt davon ab, ob wir ohne Widerstände und Gegenargumente wahrnehmen können. „Normalerweise“ nehmen wir immer durch eine Folie aus Aversion und Attraktion hindurch wahr, was unweigerlich zu einer Aufspaltung der Welt in Subjekt und Objekt führt. Werden die Wahrnehmungen von Anschauungen befreit, kehrt der Geist wieder zu einer Sicht der Einheit zurück. Weise Sicht stellt alle Formen von Getrenntheit infrage, wobei die Wahrheit der Einheit in unserem Herzen stets an erster Stelle steht." (ebd)