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Rangtong vs shentong

Aus wiki_dagpo
(Weitergeleitet von Shentong)

tib. rang stong bzw. gzhan stong bedeuten wörtl. "Selbst-Leerheit" (rangtong) oder "Fremd-Leerheit" oder "Leerheit des Anderen" (shentong). Diese beiden Begriffe prägen eine sehr alte philosophische Debatte im Mahayana-Buddhismus. Die 'rangtong'-Sichtweise wird vor allem von den Gelugpa vertreten und meint, dass alles ausschließlich bedingter Natur ist. Alles ist aus Bedingungen zusammengesetzt und wenn diese Bedingungen verschwinden, so verschwindet auch alles, was von ihnen bedingt war. Dies wird durch den Ausdruck 'leer' bezeichnet - 'leer' im Sinne des Fehlens einer eigenen beständigen Natur: Bestandteile der Erfahrung sind nicht von Natur aus (von sich aus) mit einer definierenden Eigenschaft ausgestattet.

Die 'shentong'-Sichtweise wurde vor allem von den Jo Nangpas vertreten (zB Jonang Tāranātha), aber auch in anderen Kagyü- oder Nyingma-Traditionen wird ernsthaft über dieses Thema debattiert. Hier wird die so genannte dritte Drehung des Dharmarades als Inspiration gesehen, besonders jene "Aussagen, die die Nondualität von Subjekt und Objekt als die vollendete Natur (PARINIṢPANNA) und das Verständnis dieser Nondualität als die höchste Weisheit beschreiben. Sie beschreiben diese Weisheit in substantialistischen Begriffen und bezeichnen sie als ewig, selbst-erschaffen und wahrhaft etabliert. Dieses Weisheitsbewusstsein existiert autonom und ist daher nicht leer in der Weise, wie Leerheit von den Dge lugs verstanden wird. Stattdessen ist dieses Weisheitsbewusstsein leer in dem Sinne, dass es frei von allen Störgefühlen und konventionellen Faktoren ist, die seiner wahren Natur fremd sind. Daher sprechen die Jo nang von der "Leerheit des Anderen", der Abwesenheit von extrinsischen und fremden Qualitäten." (Buswell/Lopez 2014, übersetzt, gekürzt)

Zwei Kerntexte, das Dharmadharmatāvibhāga und das Ratnagotravibhāga, wurden von Maitrīpa wiederbelebt (ob er sie wirklich in einem Stupa entdeckte, ist nicht klar - vgl den Eintrag zu Jñānaśrīmitra (ca. 980–1040)). In diesen Texten wird die vollkommene Natur und die Leuchtkraft (luminosity) des Geistes mit der Buddha-Natur gleichgesetzt. Diese beiden Texte waren "in Indien mehr als fünf Jahrhunderte lang weitgehend ignoriert worden. [...]

Die Dinge schienen sich jedoch geändert zu haben, als Maitrīpa (ca. 1007- ca. 1086) begann, die tantrischen Mahāmudrā-Lehren, die er von seinem Lehrer Savaripa erhielt, in den Mainstream des Mahāyāna zu integrieren. Maitreyas Synthese der Drei-Naturen-Lehre und der Buddha-Natur erwies sich als eine gute lehrmäßige Unterstützung für Maitrīpas Ansatz. Die Bedeutung des Dharmadharmatāvibhāga und des Ratnagotravibhāga für Maitrīpas mahāmudrā wird weiter unterstrichen durch die traditionelle Darstellung, dass Maitrīpa diese beiden Texte wiederentdeckte und Ānandakīrti und Sajjana lehrte. Mit Hilfe des letzteren übersetzte der tibetische Gelehrte Rngog Blo ldan shes rab (1059-1109) den Ratnagotravibhāga und seine vyākhyā ins Tibetische." (Mathes 2015a)

Im Mahāyāna-Kanon wird das Tathāgatagarbha, das Herz der Sogegangenen, als beständig, rein und glückselig beschrieben.

Aus einem Text zu Maitrīpa (1007-1078): "Obwohl der Begriff gzhan stong nicht gefunden wird, beschränkt sich die Beschreibung rang stong eindeutig auf das, was im Ratnagotravibhāga normalerweise als flüchtige Verunreinigungen klassifiziert wird:

Karman, Verunreinigungen und Leiden - diese drei - werden als ohne Basis und leer von einem Eigen-Sein gelehrt…

Es ist wichtig zu beachten, dass eine typische ranghohe Madhyamaka-Position stattdessen behaupten würde, dass alles, einschließlich der Buddha-Natur, leer von einem Eigen-Sein ist. [Anmerkung dazu im Text:] „Sich auf das Śrīmālādevī-sūtra stützend, beschreibt der Ratnagotravibhāga den dharmakāya als Besitzer der vier Vollkommenheiten von Beständigkeit, Selbst, Glückseligkeit und Reinheit“ (Mathes 2015a)

Schwerpunkt der Meditationspraxis

"Die höchste Tantrapraxis führt dazu, eine geradeaus gerichtete, unbegriffliche Wahrnehmung der Leerheit mit dem subtilsten Geist des Klaren Lichts zu erreichen. Folglich sind zwei Komponenten notwendig: das Gewahrsein des Klaren Lichts und die korrekte Wahrnehmung der Leerheit. Worauf wird in der Meditation der Schwerpunkt gelegt? Beim Ansatz der „Selbst-Leerheit“ liegt die Betonung in der Meditation auf der Leerheit als dem Objekt, das vom Klares-Licht-Gewahrsein wahrgenommen wird. Selbst-Leerheit bedeutet vollständiges Fehlen selbst-existierender Naturen, die den Phänomenen ihre Identitäten geben. Alle Phänomene sind leer davon, in dieser unmöglichen Weise zu existieren. Die Gelugpas, die meisten Sakyapas und die Drigung-Kagyüpas betonen diesen Ansatz, obwohl ihre Erklärungen über die unmöglichen Existenzweisen, von denen die Phänomene leer sind, leicht voneinander abweichen.

Der zweite Ansatz besteht darin, die Meditation über den Geist des Klaren Lichts selbst in den Vordergrund zu stellen, der leer ist von allen gröberen Ebenen des Geistes und des Gewahrseins. In diesem Kontext bekommt das Klares-Licht-Gewahrsein den Namen „Ander-Leerheit“, es ist leer von allen anderen gröberen Ebenen des Geistes. Ander-Leerheit ist der hauptsächliche Ansatz der Karma-, Drugpa- und Shangpa-Kagyüpas, der Nyingmapas und eines Teils der Sakyapas. Alle haben natürlich eine leicht unterschiedliche Art zu erklären und zu meditieren. Einer der wichtigsten Bereiche, auf dem sich die tibetischen Schulen unterscheiden, ist im Übrigen ihre jeweilige Definition von Selbst-Leerheit und Ander-Leerheit, ist die Frage, ob sie die eine oder die andere annehmen oder beide, und worauf sie in der Meditation das Hauptgewicht legen, um Klares-Licht-Gewahrsein der Leerheit zu erreichen."(Studybuddhism)


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