Bön
Bön
Bön ist eine spirituelle Tradition die Tibets, die wesentlich älter als der Dharma des Buddha Shakyamuni ist. In der Eigendarstellung ist diese Tradition 18.000 Jahre alt (siehe Yungdrunbon). Mit den ersten Kontakten Tibets mit buddhistischen Lehren war das Verhältnis zwischen Buddhadharma und Bön ein konfliktreiches. Mit der Zeit der Renaissance des Buddhadharma in Tibet etwa ab dem 11. Jhdt haben sich alle spirituellen Traditionen Tibets deutlich entwickelt und angenähert. Heute gilt die Bön-Tradition ganz offizielle als eine der fünf buddhistischen Traditionen Tibets.
"Der Bön (tibetisch བོན། Bon – „Wahrheit“, „Wirklichkeit“, „wahre Lehre“), genannt auch Bön-Religion und Bon-Religion, war vor der Etablierung des Buddhismus als Staatsreligion im 8. Jahrhundert die vorherrschende Religion der Tibeter. Verbreitet ist er heute in Tibet, in anderen Teilen der Volksrepublik China, in Nepal und in Bhutan. Der Bön ist eine animistisch-polytheistische Religion mit starken schamanistischen Eigenschaften. Ahnenkult und eine ausgeprägte Beerdigungs- und Gedenkkultur sind ebenfalls wichtige Aspekte des Bön. Später beeinflussten sich der Bön und der Buddhismus gegenseitig (→ Synkretismus), wobei aus dem Bön rituelle und schamanistische Elemente oder Bön-Gottheiten in den Buddhismus gelangten und umgekehrt aus dem Buddhismus Aspekte wie die Vorstellung einer Reinkarnation oder des Karma vom Bön übernommen wurden. 1977 wurde der Bön von der tibetischen Exilregierung und vom Dalai Lama offiziell als fünfte spirituelle Schule des Tibetischen Buddhismus anerkannt. 2006 wurde das Yundrung-Bön Zentrum Shenten Dargyé Ling in Frankreich als Kloster einer eigenständigen Glaubensgemeinschaft vom Staat anerkannt." (Wikipedia)
Bön als fünfte Tradition Tibets
"Meist wird gesagt, dass Tibet vier Traditionen hat: Nyingma, Kagyü, Sakya und Gelug, wobei Gelug die reformierte Fortsetzung der früheren Kadam-Tradition ist. Auf der Nicht-sektiererischen Konferenz der Tulkus (der inkarnierten Lamas) und Äbte, die Seine Heiligkeit der Dalai Lama im Dezember 1988 in Sarnath, Indien, einberief, betonte Seine Heiligkeit jedoch, dass es wichtig ist, die vorbuddhistische tibetische Bön-Tradition den vier genannten Traditionen hinzuzufügen und stets von den fünf tibetischen Traditionen zu sprechen. Er erklärte, dass die Frage, ob Bön eine buddhistische Tradition sei, nicht der wichtige Punkt ist: Die Form des Bön, die sich seit dem 11. Jahrhundert der gemeinsamen Ära entwickelt hat, weist genug Gemeinsamkeiten mit den vier buddhistischen Traditionen Tibets auf, dass wir alle fünf als eine Einheit betrachten können. [...] Die Buddha-Gestalten im Bön haben ähnliche Attribute wie die im Buddhismus – z.B. Gestalten, die Mitgefühl oder Weisheit verkörpern – , nur andere Namen." (Studybuddhism)
Wie beschreibt die Bön-Tradition sich selbst?
"Das Ziel von Bönpas ist es, den Mikrokosmos mit dem Makrokosmos in Einklang zu bringen. Je mehr jeder Einzelne, die Familie und die Gesellschaft im Einklang mit den Kreisläufen und Kräften der Natur sind, desto weniger Leiden und umso mehr Erfolg gibt es im Leben. Die Bönpas glauben, dass sich das Göttliche in der gesamten Natur findet – sowohl in den Elementen als auch in jedem von uns. Deshalb ist es wichtig, positive Beziehungen zwischen dem Individuum und den verschiedenen Aspekten der Natur zu entwickeln. So können die Geister und Kräfte der Natur uns helfen, indem sie Hindernisse beseitigen und uns auf unserem Pfad der Selbst-Bewusstheit unterstützen.
Im Bön gibt es auch Belehrungen über unsere inneren Heilenergien und darüber, wie wir uns selbst beleben und ausbalancieren können. Es gibt viele Meditations- und Bewegungstechniken, die unsere Bewusstheit und unsere Sensibilität für subtile Aspekte unseres Seins vertiefen. Wir lernen, mit den fünf Elementen in Verbindung zu treten – den grundlegenden energetischen Qualitäten unserer inneren und äußeren Natur.
Dzogchen, eine der höchsten Belehrungen, ist auch ein Teil der Bön-Tradition. Das Ziel von Dzogchen oder der Großen Vollendung ist es, den natürlichen Zustand des Geistes zu erlangen, der reines Licht und Weisheit ist. Da gibt es nichts zu versuchen, nichts anzunehmen oder abzulehnen und nichts zu transformieren. Es ist ein selbst-vollkommener Zustand, der uns allen zugänglich ist, weil er unsere Natur ist." (Tulkulobsang)
"Bön ist eine spirituelle Tradition Tibet’s. Bön beinhaltet Lehren und Praktiken für alle Lebensbereiche, einschließlich unserer Beziehung zu den Elementen der Natur, unseres ethischen und moralischen Verhaltens, der Entwicklung von Liebe, Mitgefühl, Freude und Gleichmut und führt zur höchsten Verwirklichung durch die Lehren der “Großen Vollkommenheit” (Dzogchen).
Gemäß der Bön-Überlieferung, kam Buddha Tönpa Shenrab Miwoche, der Gründer der Bön-Religion, lange vor dem Buddha Sakyamuni auf diese Welt. Er verkündete seine Lehren im Land Olmo Lungring. Ol symbolisiert das Ungeborene, mo das Nicht-Abnehmende, lung die prophetischen Worte von Tönpa Shenrab, und ring das unerschöpfliche Mitgefühl von Tönpa Shenrab. Einige Wissenschaftler setzen Olmo Lungring mit Zhang Zhung gleich, dem Land das den Berg Kailash im Westen Tibets umgeben hat und als die Wiege der tibetischen Zivilisation angesehen wird.
Tönpa Shenrab hat laut Überlieferung die Bön-Lehren in drei aufeinanderfolgenden Lehrzyklen vermittelt: Zuerst legte er „Die neun Wege des Bön“ dar, dann lehrte er „Die Vier Pforten des Bön und die Fünfte, die Schatzkammer“ und schließlich offenbarte er „Die Äußeren, Inneren und Geheimen Unterweisungen“. Der äußere Zyklus ist der Pfad der Entsagung – die Sutra-Lehren, der innere Zyklus ist der Pfad der Transformation – die tantrischen Lehren. Der geheime Zyklus ist der Pfad der Selbstbefreiung, der die Dzogchen-Lehren umfasst. Diese Unterteilung in Sutra, Tantra und Dzogchen findet man auch im tibetischen Buddhismus der Nyingma Schule.
In einer ungebrochenen Linie aus historischen Zeiten bis zur Gegenwart erhalten die Anhänger des Bön Belehrungen und Übertragungen von Ihren Lehrern. Zudem sind die meisten der heiligen Texte erhalten geblieben. Der tibetische Buddhismus hat viele Ähnlichkeiten mit dem modernen Bön; dem Bön ist seine Ursprünglichkeit in Ihrer ganzen Vielfalt erhalten geblieben und vom buddhistischen Einfluss bereichert worden.
Bis vor kurzem wurden die alten Lehren des Bön nur sehr wenigen Studenten jeder Generation weitergegeben. Heute, erreichen seine Lamas viele Schüler auf der ganzen Welt." (Ligmincha)
Geschichte des Bön
"Unterrichtet von Yongdzin Tenzin Namdak Rinpoche, Paris [...] Im Allgemeinen ist der Name Bön in der tibetischen Kultur und Religion sehr verbreitet, aber dieser Name umfasst drei völlig unterschiedliche Aspekte.
Schamanisches Bön
Bevor Tibet zu einem Königreich wurde, gab es viele Dörfer und Menschen, die über das ganze Land verstreut waren. Diese Menschen folgten individuellen Glaubensvorstellungen und verehrten verschiedene Dinge wie Wasser, Luft – alle Elemente der Natur. Diese Menschen werden als primitive oder schamanische Völker bezeichnet. Aber auch sie nannten sich Bön.
Yungdrung Bön
Die zweite Phase begann, als eine Art Zivilisation entstand und Tibet ein Königreich wurde. Sie luden mehrere Gelehrte und Religionsexperten aus dem benachbarten Königreich Zhang Zhung ein, um (die Lehren) ins Tibetische zu übersetzen, woraufhin sich Yungdrung Bön in Tibet verbreitete, und dieser Name wird bis heute verwendet. Diese Tradition wurde während der gesamten Regierungszeit der siebenunddreißig tibetischen Könige, vom Beginn bis zum achten Jahrhundert, praktiziert; sowohl die Könige als auch die lokale Bevölkerung praktizierten Yungdrung Bön, und dies war bis zum achten Jahrhundert die einzige Religion in Tibet. Zu dieser Zeit übersetzten sie die Lehren und begannen ein religiöses Leben, ähnlich wie im benachbarten Zhang Zhung und anderen Ländern, die in der Geschichte erwähnt werden.
Neues Bön
Nach dem 8. Jahrhundert war der siebenunddreißigste König jedoch daran interessiert, den Buddhismus aus Indien einzuführen, und zu dieser Zeit gab es viele Verfolgungen und Probleme, ähnlich wie in anderen Ländern. Als sie Gelehrte aus Indien einluden, waren junge Tibeter wie Vairochana, Drenpa Namkha und viele andere bereits im Yungdrung Bön ausgebildet und unterrichtet worden, und als Guru Rinpoche nach Tibet kam, waren sie bereits dort, sodass sie über Kenntnisse aus beiden Schulen verfügten. Sie wurden zu großen Gelehrten, sammelten und wählten (Lehren) aus beiden Traditionen aus und entwickelten ihre eigene Art der Lehre. Sie schrieben viele Bücher. Aber der König erkannte, was sie taten, und sagte, sie sollten nur dem indischen Buddhismus in reiner Form folgen und ihn nicht vermischen. Also versteckten sie (Texte) in Felsen und Tempeln – sie kannten viele Orte. Diese Tradition und ihre Werke stammen aus diesen Orten und werden noch immer verwendet, insbesondere in Osttibet. Diese Tradition wird Neues Bön genannt. Sie unterscheidet sich ziemlich stark vom Yungdrung Bön, das ich hier lehre, aber sie sind alle Bönpos. Das sind also die drei verschiedenen Glaubensrichtungen und Traditionen, die alle unter dem Namen Bön zusammengefasst werden: Schamanisches Bön, Yungdrung Bön und Neues Bön." (Shenten, Übersetzt mit DeepL, gekürzt, Hervorhebungen)
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